Alex Christensen schleicht sich heimlich zurück in die Charts!

Alex

Als Freund und Kind der 90er Jahre zucken stets die Nerven und Muskeln, denn Songs wie „Rhythm is a Dancer“ von Snap durch die Boxen eines Clubs oder einer Party erschallen. Man hat sie geliebt oder gehasst, die wummernden Euro Dance- und – wie wir es nannten – Kirmestechno-Tracks von DJs wie Alex Christensen, Mark Oh und Co. Erster meldet sich mit einem Album zurück, was mich musikalisch und vor allem inhaltlich sehr überrascht hat - positiv, wohlgemerkt.

Alex Christensen hat sich mit „The Berlin Orchestra“ zusammengetan und die Dancefloor-Kracher der 90er Jahre komplett neu aufgenommen und ihnen mit klassischer Unterstützung ein völlig neues Gesicht gegeben. Erinnern wir uns: Christensen fegte mit seiner Hymne zum Titel-Song des deutschen Erfolgsfilmes „Das Boot“ über die Dancefloors der Republik und machte Techno-Sounds massentauglich. Aus dem Underground der Clubs wie dem Tresor in Berlin oder dem Omen in Frankfurt belächelten die Gründer dieser Bewegung natürlich eher dieser Entwicklung, aber selbst Underground-DJs wie Marusha, Westbam oder Sven Fäth merkten schnell, dass man mit Masse auch Kasse machen kann.

Kein 90s Album kann ohne „Das Boot“ auskommen, darüber sollten wir uns wirklich einig sein. Doch, anstatt wummernder Bässe, treten Streichsequenzen an ihre Stelle, der Bass wirkt reduzierter und nimmt dem Song seine Schwere, ohne dabei den grundsätzlichen Charakter zu verändern. Man könnte meinen, dass sich Christensen damit zurück zu den Wurzeln des Original-Liedes aus dem Film bewegen will.

Eine besondere Überraschung ist die neue Version von „No Limit“, die im selben Jahr wie „Das Boot“ die Charts stürmte und alleine in Deutschland 29 Wochen dort verweilte. Für das Duo 2 Unlimited seinerzeit der größte Erfolg hierzulande, kommt es in der Christensen Version als dramatische Jagd-Hymne zurück. Jagdhörner und Streicher anstatt Bass und Drums, was dem Song sehr viel Dramatik, Bewegung und vor allem Energie verschafft. Man hat das Gefühl auf einer Jagd zu sein, in der die Hundemeute durch den Wald jagt, gefolgt von Männern auf Pferden.

Da Mark Oh in den 90ern zu meinen favorisierten DJs gehörte, den ich beim Videodreh seines Songs „Love Song“ seinerzeit auf der Love Parade in Berlin getroffen habe, war ich besonders auf die Version seines Songs „Tears don’t lie“ gespannt. Ins Ohr springt statt krassem Kirmes-Techno eine entspannte Pop-Klassik-Version mit geschickt eingesetzten Stimmungsvariationen. Hier hat sich Christensen wohl auch eher an das Original gehalten und einen interessanten Spagat zwischen Original und Techno-Version geschafft.

CLASSICAL 90s DANCE ist ein Album das mich sehr überrascht hat und zwar sehr positiv. Disco meets Pop meets Klassik – die Mischung geht auf und so werden Lieder, die eigentlich jeder schon einmal gehört hat, wieder lebendig und mit kreativen und abwechslungsreichen Arrangements ins Heute geholt, wo sie trotz Orchester sehr viel moderner sind. Man muss weder ein Fan der 90er noch der klassischen Musik sein, um dieses Album zu mögen, denn die Symbiose, die hier stattfindet, ist so besonders, dass sie mitreißt.

 

Tracklist

  1. Rhythm Is a Dancer | Original von Snap! – 1992
  2. Infinity | Original von Guru Josh – 1990
  3. United | Original von Prince Ital Joe feat. Marky Mark – 1994
  4. Das Boot | Original von Alex Christensen (U96) – 1992
  5. Turn The Tide | Original von Sylver – 2001
  6. Children | Original von Robert Miles – 1996
  7. Sonic Empire | Original von Members of Mayday – 1997
  8. Nessaja | Original von Peter Maffay aus Tabaluga – 1983
  9. L’Amour toujours | Original von Gigi D’Agostino – 1999
  10. You’re not Alone | Original von Olive – 1996
  11. Redemption | Original von RMB – 1994
  12. The Rise/No Limit | Original von 2 Unlimited – 1993
  13. What is Love | Original von Haddaway – 1993
  14. Tears don’t lie | Original von Michael Holm (1974), Gecovert von Mark Oh 1995

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