Unsere Weltmeere, einst das friedvolle Refugium von unzähligen Meeresbewohnern, deren Artenreichtum unseren Tisch, aber auch unseren Geist beflügelte. Wer kennt sie nicht, die spannenden Geschichten riesiger Leviatane, die Schiffe zum Kentern brachten, monströse Wale, die ganze Boote und Schiffe verschlangen?

Doch, wie so häufig pfuschte jemand dazwischen, und aus den schönen Geschichten, die uns durch unsere Kindheit begleiteten, wurden Horror-Szenarien der etwas anderen Art. Mittlerweile sind unsere Weltmeere, die über 70% unserer Oberfläche bedecken, die am stärksten verschmutzten Regionen des blauen Planeten. Selbst der Mariannengraben, der tiefste Punkt des Meeres ist nicht von der Plastik-Flut verschont worden. Wir sprechen hier von einer Tiefe von 11.000 Metern.

Ganze Plastikteppiche erreichen mittlerweile die Küsten der Länder und es sind nicht nur sogenannte „Dritte Welt“ oder „Schwellenländern“, die dafür verantwortlich sind. Unser Anteil daran ist immens groß, aber warum? Schließlich wird doch unser Plastik brav recycelt?

Ja, genau das will man uns weiß machen, aber wie kommt es denn, dass auf Mülldeponien in Malaysia und anderen asiatischen Ländern tonnenweise Plastikmüll im wahrsten Sinne des Wortes „auf Halde“ liegt und nach und nach ins Meer wandert? Eines ist sicher, wenn wir nichts tun, werden bald mehr Kunststoffteile als Fische im Meer schwimmen. Jedes Jahr sterben Millionen Seevögel und hunderttausende Meerestiere, vor allem Säugetiere, an Vermüllung. Im Meer treibende Fischnetze, transparente Sixpack-Träger und vor allem Mikroplastikpartikel landen in den Mägen, mit dem Ergebnis, dass die Tiere qualvoll verenden.

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Bei Sizilien wurden erst kürzlich tote Wale mit Unmengen Plastik im Magen tot am Strand gefunden, auf den Philippinen waren es im Bauch eines Wals knapp 40 Kilo, von Dutzenden toten Delfinen will ich erst gar nicht anfangen.

Ich muss gestehen, dass mir das Ausmaß dieser Verschmutzung selbst gar nicht so bewusst gewesen ist, bis ich vor nunmehr acht Jahren im Süden Thailands unterwegs war. Während einer Bootstour begann meine Erweckung auf einer wunderbaren Insel mit einem unglaublichen Strand, einziger Wehrmutstropfen: der gesamte Strand war voll von Plastikflaschen, Fischernetzen, Mülltüten und weiterem Zeug, das dort nichts zu suchen hatte. Weitere Ereignisse wie das Schwimmen in Plastik statt Fischen vor der Küste einer weiteren Insel haben dann den Schalter umgelegt: Es musste etwas passieren.

Viele Menschen können sich das Ausmaß dieser Katastrophe nur selbst kaum vorstellen, wenn man es nicht mit eigenen Augen gesehen hat. Schockierende Videos im Fernsehen, Bilder von gequälten Tieren, das hat schon in den 80ern und 90ern wenig gebracht, als die großen Tankschiffe für immense Ölverschmutzungen an Stränden und Küsten sorgten. Klar, man war geschockt, aber seien wir mal ehrlich, hatte es in der Masse der Bevölkerung einen Effekt? Ich möchte nicht darauf wetten, aber mein Gefühl sagt klar „Nein“.

Sicher können viele das Wort Plastik nicht mehr hören, aber seien wir doch mal ehrlich. Wir gehen einkaufen und am Ende hat man häufig mehr Plastikmüll im Wagen als verwertbare Lebensmittel. Oder müssen geschälte Orangen in Kunststoff sein? Ist denn der Mensch zu bequem, sich mittags mal eben schnell eine Orange selbst zu schälen? Ja, wir wurden in den vergangenen Jahren zu immer wachsender Bequemlichkeit erzogen, warum gibt es sonst diese ganzen Junkfood-Ketten oder das Convenience Food?

Fakt ist, unsere Meere ersaufen langsam in unserem Dreck, doch seitens der Industrie scheint ein Umdenken nicht möglich. Klar, wer will denn auch auf Milliardengewinne verzichten, wenn es doch so einfach geht, mit der Unwissenheit der Menschen richtig Kasse zu machen?

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Das, was wir an den Oberflächen schwimmen sehen, ist nur die Spitze des Eisberges, denn 70% der Mülls schwimmen aufgrund ihrer Dichte in tieferen Meeresschichten oder sinken auf den Grund des Ozeans, wo sie ganze Riffe und Vegetationen zerstören.

Noch ein paar Zahlen, weil es so schön ist:

  • 000 Tonnen Plastikmüll landen Jahr für Jahr durch die Schifffahrt, Fischerei und Offshore-Industrie in der Nordsee
  • Über 10 Millionen Tonnen landen jährlich in der Weltmeeren
  • 663 Tierarten sind durch die Einwirkungen von Plastik in Mitleidenschaft gezogen
  • Mikroplastik sorgt im Meer und an Land für immense Belastungen (an Land bis zu 32 Mal höher als im Wasser)
  • EU-weit werden 500.000 Tonnen Plastikmüll in den Ozeanen entsorgt, die meisten Stücke davon sind Einweggeschirr und Essenverpackungen
  • Eine Plastiktüte braucht bis zu 20 Jahre, um sich im Meer zu zersetzen
  • Ein Styroporbecher braucht 50 Jahre bis er zersetzt ist
  • Eine PET-Flasche benötigt ebenso wie eine Wegwerfwindel 450 Jahre (nein, das ist kein Tippfehler)
  • Eure Zigarettenstummel verrotten erst nach fünf Jahren, mal ganz davon abgesehen enthält jeder Stummel über 700 giftige Chemikalien, die ins Wasser und den Boden gelangen.

Was wir tun können? In erster Linie kann jeder dafür sorgen, dass diese Berge zumindest kleiner werden und die Nachflut an Plastikmüll verringert wird. Gerade beim Verpackungsmüll sowie bei Einwegplastik heißt es: Finger weg!

Bio-Artikel gehören nicht in Plastikverpackungen und eure geliebte Limonade könnt ihr gerne auch ohne Strohhalm trinken, ebenso das spontane Barbecue muss nicht von Kunststoff geprägt sein.

Manchmal bedarf es einem Kick in  den Allerwertesten, um die eigene Denkmaschine anzukurbeln, zumindest war es bei mir der Fall. Heute haben wir unseren Kunststoffverbrauch in den eigenen vier Wänden um knapp 70% reduzieren können – für mich noch immer zuviel Plastik, aber wenn jeder seinen Verbrauch drosselt und zu weniger Verpackungsmüll greift, kommen wir ein großes Stück weiter. Ganz sicher.

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