Monats-Archive: September 2016

Erst zählt man die Wochen, dann die Tage und jetzt hört man schon die einzelnen Stunden verrinnen bis der letzte Vorhang fällt. Die Rede ist von Sir Andrew Lloyd Webbers aktuellem Meisterwerk „Liebe Stirbt Nie“, für das am Sonntag, den 25.September der letzte Vorhang im Stage Operettenhaus in Hamburg fällt. Wieder entschwindet eine aufregende Inszenierung von der Bildfläche des deutschen Musical-Theaters und als Musical-Fan muss selbst ich mich fragen, warum das so sein mag?

Doch drehen wir die Zeit erst ein wenig zurück, denn selbst wenn das Phantom und seine große Liebe Christiné de Chagny, wie die ehemalige Mademoiselle Daée in dieser Inszenierung nun heißt, nun für immer Deutschland verlässt, steckt hinter dem Original und der Fortsetzung eine unglaubliche Erfolgsgeschichte.

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Liebe Stirbt Nie verlässt Hamburg - Zeit, die Kutsche zu nehmen und Good-Bye zu sagen.

 

Das Phantom – eine Erfolgsstory geht um die Welt

Basierend auf dem Roman „Das Phantom der Oper“ feierte das Musical aus der Feder von Sir Andrew Lloyd Webber am 09. Oktober 1986 seine fulminante Premiere im „Her Majesty’s Theatre“ in London. Geprägt wurde die weibliche Hauptrolle seinerzeit von der Opernsängerin Sarah Brightman.  Am 26. Januar 1988 schaffte das Meisterwerk seinen Sprung über den großen Teich und gilt seitdem als das am längsten am Broadway gespielte Stück. Nach der deutschsprachigen Premiere am 20. Dezember 1988 in Wien holte man den Erfolgsgaranten am 29. Juni 1990 in das eigene dafür erbaute Theater Neue Flora in Hamburg. Die Premiere wurde seinerzeit von Demonstrationen und üblen Übergriffe auf die Premierengäste überschattet, die befürchteten, dass sich mit dem Bau des Theaters eine Welle der Veränderungen in ihrem Kiez ausbreiten würde. Allen anfänglichen Problemen zum Trotz, spielte das Stück bis 2001 und gilt als eines der am längsten gespielten Musicals in Deutschland.

Es folgten Adaptionen in Japan, Korea, Mexiko, Ungarn, Belgien, Dänemark, Spanien, Kanada und den Niederlanden.

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Valerie Link als Christine und Mathias Edenborn als das Phantom in der Neuaufnahme in Hamburg

Im Februar 2013 dann die Sensation: Stage Entertainment gab die Wiederaufnahme von „Das Phantom der Oper“ in Hamburg bekannt. Eigentlich sollte es nur für 10 Monate zurück in die Neue Flora kommen, doch aufgrund des Erfolges wurde es hier sogar wieder verlängert. Nach Hamburg wanderte das Phantom ab nach Oberhausen und hatte dort am 04. September 2016 seine Derniére.

Nun gibt es verschiedene Versionen, warum gerade das Phantom wiedergeholt worden ist, meine war immer, dass es sehr geschickt war, um die Fans auf den Nachfolger einzustimmen. Doch eines ist eindeutig: Nachdem der letzte Vorhang für ROCKY in Hamburg fiel und er das Stage Operettenhaus verlassen hatte, wurde gemunkelt, wer der würdige Nachfolger auf der Hamburger Reeperbahn sein könnte. Unter den Fans verdichteten sich die Gerüchte, dass die Fortsetzung des Phantoms „Liebe stirbt nie“ ganz vorne dabei ist. Und tatsächlich feierte das neue Meisterwerk von Webber - und das sage ich aus voller Überzeugung - am 15. Oktober 2015 seine Premiere in Hamburg. Sollte dieses Stück ein Erfolg werden?

 

Liebe stirbt nie – wirklich?

Am Ende von „Das Phantom der Oper“ entschwindet das Phantom auf geheimnisvolle Weise in den Katakomben der Pariser Oper, seine große Liebe Christine Daée flüchtet mit ihrem Auserwählten Raoul und das Musical ist zu Ende. Für Sir Andrew Lloyd Webber war es aber nicht vorbei, denn so viele Fragen blieben offen und so entschied man sich zur Fortsetzung, die am 09. März 2010 im Londoner Westend zur Uraufführung kam. Es geschah, was geschehen musste: Die Fortsetzung der Liebesgeschichte polarisierte bei den Kritikern und vor allem bei den Fans, denn – jetzt darf gespoilert werden – die Hauptperson Christine de Chagny muss sterben und das Phantom bleibt mit dem gemeinsamen Sohn alleine zurück. Sicher war das zu viel für viele Fans, die das Original vergöttert haben und so kam es aufgrund der fehlenden Zuschauer auch nicht zu einer Inszenierung am Broadway. Dennoch lief die Adaption in Melbourne und Sydney sowie auch in Kopenhagen und Wien. Mit der Premiere am 15. Oktober im Hamburger Operettenhaus wechselte das Phantom die Location in der Stadt und brillierte mit einer atemberaubenden Cast, wie man sie selten in perfekter Harmonie erlebte. Mir persönlich lag vor allem die weibliche Hauptrolle am Herzen, denn mit Rachel Anne Moore hatte Stage Entertainment eine furiose Stimme auf die Bühne in die Rolle der Christine geholt, wie sie besser nicht hätte sein können. Ich durfte sie bereits als Charlotta in „Das Phantom der Oper“ erleben, doch im Phantom II gab sie der Rolle so viel Seele, Liebe und Tiefe wie es vorher nicht einmal eine Anna Maria Kaufmann im Phantom geschafft hatte, doch das ist nur meine subjektive Meinung.

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Eine Traumbesetzung: Garðar Thór Cortes als Phamtom und Rachel Anne Moore als Christine

Woran mag es also gelegen haben, dass die Fortsetzung nun schon in drei Tagen seinen letzten Vorhang hat? Von den Kritikern sehr hart ins Gericht genommen gingen die Kommentare der Presse von „Schwächelndes Phantom der Oper“ über „Das Stück erzeugte im Hamburger Operettenhaus einen Phantomschmerz“ bis hin zu „Paartherapie in Moll“. Das tut weh, vor allem, wenn man die neue Inszenierung losgelöst vom Ursprung sehen sollte.

10 Jahre nach dem Abschied hat sich das Phantom auf Coney Island niedergelassen und dort eine eigene bizarre Fantasiewelt aufgebaut, in der er von Madame Giry und ihrer Tochter unterstützt wird. Doch die Liebe zu Christine lässt das Phantom nicht los und so holt er sie mit einem Trick zusammen mit ihrem Ehemann Raoul und ihrem Sohn dorthin. Es kommt wie es kommen muss, die Gefühle geraten durcheinander, das Phantom erkennt in Gustav seinen eigenen Sohn, der Neid wächst, der Hass auch und am Ende kommt es zum großen Showdown, bei dem Christine stirbt.

All das zwischen funkelnden Kulissen, wilden Szenenwechseln und schrillen Figuren – eben ganz anders als die dunkle Welt der Pariser Oper. War das dem Publikum zu viel?

Auch hier polarisierte das Musical in sehr hohem Maße, mal abgesehen von der einen oder anderen technischen Macke in einzelnen Vorstellungen empfanden viele die Geschichte als zu weit hergeholt, einige Fans kannten die Inszenierung aus Melbourne und merkten viele Veränderungen in Liedern und dem Bühnenbild, die missfielen, und es wurden vermehrt Stimmen laut, die sich das Phantom in die Neue Flora gewünscht hatten.

 

Mein Fazit.

Grundsätzlich spüre ich als jahrelanger Fan des tiefgründigen, dramatischen Musicals einen Wandel im Musical-Genre. Die aufregenden und opulenten Produktionen der 80er und 90er Jahre waren stets auf lange Laufzeiten ausgelegt und das mussten sie bei den enormen Produktionskosten natürlich auch. Doch die Zeit hat sich geändert, eine Schnelllebigkeit macht auch vor dem Musicaltheater nicht Halt und so sind selbst Hit-Garanten wie „Das Phantom der Oper“ und „Tanz der Vampire“ nicht mehr darauf ausgelegt, lange an einem Ort zu bleiben. Das dies natürlich auf Kosten der Qualität geht, wird jedem Menschen klar sein, doch stellt sich immer die Frage, warum läuft „Der König der Löwen“ ununterbrochen, während vielversprechende Themen schnell wieder in den Katakomben verschwinden. Beste Beispiele sind hier „Rebecca“ und „Wicked“ – zwei umwerfende Produktionen, unterhaltsam, aufwändig, bunt und spannend, die eine Tiefe und eine hintergründige Story mitbringen. Ist der Zuschauer heute soweit, dass er nur noch schnell und einfach konsumieren möchte, abschalten vom Alltag und sich der Berieselung hingibt? Findet gerade eine Dineyisierung der Musical-Scene statt? „Mary Poppins“ startet in Stuttgart, der „König der Löwen“ brüllt seit Jahren in Hamburg und seit kurzem zaubert auch „Aladdin“ seinen Dschinnie aus der Lampe.

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Aladdin und Dschinni verzaubern jeden Abend die Neue Flora

Man kann sehr viel interpretieren, aber Fakt ist, dass auch das Musical gesellschaftlichen Konventionen unterliegt. Was einmal als toll und großartig gefeiert wurde, darf in den Augen der Zuschauer nicht verändert werden, da sonst der Zauber verloren geht, angefangen bei Liedern, geliebten Abläufen und gewohnten Stimmen – wo ich wieder zu Rachel Anne Moore zurückkomme, denn ihre Stimme als Christine wurde von vielen Fans sehr gefeiert – gehören zu dem ganz besonderen Zauber, den ein Musical ausmacht. Die Liebe zum Detail, die Seele und die Hingabe, mit der eine Interpretation auf die Bühne gebracht wird, sind das Salz in der Suppe und entscheiden zwischen Höhepunkt oder Absturz. Wenn dazu noch eine unbekannte oder schwer nachzuvollziehende Story dazu kommt, hat das Musical es schwer, Fuß zu fassen. Das mag es unter anderem bei „Wicked“ und „Rebecca“ gewesen sein, was zum schnellen Absetzen geführt hat, doch das sind nur meine Spekulationen und Beobachtungen. Denn während in England und den USA jedes Kind mit dem Zauberer von Oz groß geworden ist, kennen viele hier nur den Film und sind enttäuscht, wenn es dann um eine Geschichte zweier Frauen geht, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Und wer kennt schon den Roman von Daphne du Maurier oder den Film von Alfred Hitchcock? Leider sehr wenige und das stellt die Produzenten vor die wichtige Herausforderung des Storytellings in der heutigen Zeit. Wer will schon erst etwas lernen müssen, um ein Stück zu verstehen? Das sind die wenigsten, das wollen nur echte Fans.

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Bunt, laut und schrill: Das neue Refugium des Phantoms auf Coney Island wird schon bald verlassen sein

In den kommenden Jahren wird sich sicher noch viel in der Branche tun, denn die Frage steht wirklich im Raum: Müssen wir uns auf schnell wechselnde Stücke einstellen? Ist die Sättigung der Deutschen bei Musicals schon eingetreten? Und warum feiert der Boradway und das Londoner West Ende immer noch riesige Erfolge, während die deutsche Musical-Landschaft immer schneller zu werden scheint?

Ich werde es beobachten, doch jetzt wünsche ich „Liebe Stirbt Nie“ eine umwerfende Derniére am kommenden Sonntag und allen Darstellern eine wunderbare Zeit ohne Christine und das Phantom. Liebe stirbt nie, zumindest nicht meine Liebe zum Musical.

Mit besten Grüßen

Stephan Burghardt

Photos (c) Stage Entertainment

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Photo by Dennis Weber Model: Dan Hyman Underwear: JOCKEY Five Star Rib

JOCKEY RISKIERT EINEN BLICK AUF 140 JAHRE MÄNNLICHE UNDERWEAR-MODELS

Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters. Und dieser persönliche Geschmack wird wiederum beeinflusst vom jeweils herrschenden Schönheitsideal der Zeit. Die Trendmarke Jockey, gegründet 1876, riskiert nun einen Blick auf die Werbung der letzten 140 Jahre und nimmt dabei die wechselnden männlichen Models aufs Korn, die in den Anzeigen den Idealtyp Mann verkörperten.

Es mag ja einige universelle und zeitlose Merkmale geben, die so ziemlich jede Frau bei einem Mann attraktiv findet, egal aus welchem Jahrhundert sie stammt. Doch schaut man sich die Werbung seit 1876 an, muss man schon feststellen, dass sich die trendigen Traumtypen im Lauf der Zeit durchaus verändert haben.

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Original JOCKEY Man on the Bag von 1912

Zum Unternehmensstart 1876 hielt sich Jockey als Pionier der männlich-sportlichen Underwear noch zurück: In den Anzeigen wurden lediglich Produkte gezeigt. Männer in Unterhosen abzubilden wäre damals einfach undenkbar peinlich gewesen. Heute kaum vorstellbar. Doch Jockey wäre nicht Jockey, wenn die Marke nicht ein paar Jahre später schon Grenzen gesprengt hätte: Die ersten illustrierten Anzeigen, die 1912 in hochauflagigen US-Magazinen erschienen, zeigten einen athletischen Kerl in Underwear, die praktisch den kompletten Körper bedeckte. Da das Ganzkörperteil aber schön eng anlag, hatten Betrachter und vor allem Betrachterinnen trotzdem ihre helle Freude an dem Anblick. Die Anzeige “Man on the Bag” schockierte, setzte aber auch Zeichen und war vermutlich genau deshalb äußerst populär.

Der abgebildete Idealtyp, der sich da so provozierend präsentierte – übrigens von hinten – hatte durchaus Ähnlichkeit mit den Underwear-Models von heute. Nur dass er nicht ganz so jugendlich daherkam, eher in den besten Jahren, ein echter “Man in action”, mit kurzen Haaren und athletisch-durchtrainierter Figur.

Der Underwear-Style veränderte sich ab dem ersten Weltkrieg. Körperhygiene und das tägliche Bad wurden allgemein selbstverständlicher und so musste man den Körper nicht mehr schamhaft komplett bedecken.

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JOCKEY Fotografie aus den 40er Jahren

 

In den 40er Jahren setzten Fotografen verstärkt auf die Still Life Photography: Models zeigten sich frontal und unbeweglich vor der Kamera. Die Underwear-Models trugen sogar Masken, nicht etwa um ihre Begeisterung für Superhelden zu demonstrieren, sondern um ihre Anonymität zu waren. Schon auf den ersten Blick sieht man, dass die Models der Nachkriegsjahre weit weniger durchtrainiert wahren als ihre Vorgänger. Der Zweite Weltkrieg war ein harter Lehrmeister gewesen: Es waren ganz normale Männer, die für Amerika gekämpft und gesiegt hatten, keine idealtypischen Superkerle. Und so wurde dieser Jedermann plötzlich auch in der Werbung zum Held der Stunde.

Auch in den Nachkriegsfilmen wurden plötzlich weniger perfekt anmutende Hauptdarsteller populär, wie Mickey Rooney oder

Desi Arnaz aus „I love Lucy“.

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JOCKEY Anzeige zum Run auf Europa

1948 gelang Jockey der Sprung über den großen Teich nach Europa. Dort war die Nachfrage nach der stylischen und hochwertigen Underwear der begehrten US-Marke Jockey immens gestiegen. Das Timing war also perfekt und in Paris, Mailand, London und Berlin trugen Männer unterm smarten Business-Look seit neuestem ihre perfekt sitzende Jockey Underwear Made in USA.

In den 70er Jahren bekannte man dann endlich Farbe. Dieser kühne Trend machte auch vor der männlichern Underwear nicht Halt. Zum ersten Mal in der Geschichte gab es verschiedenfarbige Unterwäsche für Männer und dazu noch eine Bandbreite unterschiedlicher Passformen.

Der maskuline Mann wurde gefeiert und in der Werbung wimmelte es in den 1970ern nur so von mäßig definierten Männerkörpern. Die stellten dafür ihre stark behaarten Arme und reichlich Haupt- und Brusthaar zur Schau. Sean Connery als absoluter Frauenschwarm war der Prototyp dieses neuen Ideals. In der Underwear-Werbung trugen die Männer äußerst selbstbewusst bunt, über die Ästhetik dieser Fotos mag man heute gerne streiten.

2016 ist der athletische und durchtrainierte männliche Body ein Must have, gerne mit wenig Körperbehaarung. Aktiv und stilsicher muss der begehrenswerte Mann heute sein. Und er interessiert sich für Musik und Design. Außerdem reist er leidenschaftlich gerne und scheut dabei kein Abenteuer. Der neue Tarzan, Alexander Skarsgård, ist ein Musterexemplar dieser neuen Hollywood-Hünen.

Jockey blickt von jeher nach vorne und feiert konsequent und leidenschaftlich den modernen Mann. Die zeitlose Marke setzt seit 140 Jahren neue Trends im Bereich Underwear und Loungewear und trägt mit ihrer Auswahl männlicher Models dazu bei, das Männerbild der neuen Zeit zu prägen – damals, heute und morgen.

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Neuinterpretation des Kultmotiv "Men on the Bag" Fotograf: Dennis Weber Model: Dan Hyman Underwear: JOCKEY Five Star Rib

Weitere Inspirationen und Styles sind auf www.jockey.de zu finden.

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